EXPERIMENTIEREN – Josefa und Walter Promitzer
Energiepioniere und Biobauern
Seit Beginn der 1980er Jahre bewirtschaften Josefa und Walter Promitzer ihren Landwirtschaftsbetrieb in Zöbing organisch-biologisch. Vor 30 Jahren gehörten sie damit zu einer Gruppe von nicht mehr als 300 Landwirten in ganz Österreich. Sie waren Pioniere, die sich dem ökologischen Landbau verschrieben haben, lange bevor es überhaupt Förderungen dafür gab.
Zur gleichen Zeit, 1982, war Walter Promitzer bereits einer der Organisatoren der ersten Selbstbaugruppen für Solaranlagen. „Damals hat es in der Steiermark nur eine Firma gegeben, die solche Kollektoren gebaut und vertrieben hat. Das Unternehmen hat uns gesagt, dass wenn man so etwas auf das Hausdach montiert, es sich nie rechnen würde“, resümiert Promitzer. Also haben er und seine Mitstreiter, die später die Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie (AEE) gründen sollten, selber mit der handwerklichen Herstellung von thermischen Sonnenkollektoren begonnen. Heute sind der Dachverband AEE und das Forschungsinstitut AEE-INTEC längst anerkannte Größen im Bereich der solaren Energiegewinnung, aus denen mehrere erfolgreiche firmen hervorgegangen sind.
Josefa und Walter Promitzer sind immer noch Landwirte. Vor ihrem Hof, auf einer Restfläche zur Straße hin, wächst heute Energieholz im Kurzumtrieb. Es reicht, um das Wohnhaus per Hackschnitzelheizung im Winter mit Wärme zu versorgen. Für Warmwasser sorgen Solarthermiekollektoren auf dem Dach. Gegenüber auf dem Scheunendach liefern Photovoltaik-Paneele jährlich 16.000 kWh elektrischer Energie – doppelt so viel, wie der Hof selber braucht. Dafür hat Walter Promitzer vor Jahren ein gebrauchtes Elektroauto erstanden. Bei etwas Sonnenschein und Energieeintrag kann das Auto Solarstrom tanken und so bis zu 100 km weit elektrisch fahren.
Als es darum ging für ihre Tochter ein Haus zu bauen, entschied sich die Familie für Stroh vom eigenen Feld als Baustoff. So bestehen die Außenwände des Wohnhauses aus verputzten Strohballen, aus denen die Wandöffnungen ausgeschnitten wurden. Das Baumaterial wurde vor Ort gewonnen und ist nachwachsend. Und wenn das Haus einmal abgebrochen werden sollte, können große Teile einfach kompostiert werden.
Walter Promitzer ist gewiss einer, der nicht lange zögert: „Man kann so viele Dinge heute schon verändern. Die Technologien sind längst da und sie funktionieren. Nur in unserer Wirtschaft muss man immer gerade noch an etwas forschen, Dinge untersuchen und dann ein wenig warten was noch alles kommt. Ich bin überzeugt, dass wir es schon heute schaffen können, dass jeder Mensch auf der Erde so leben kann, wie wir. Auch in Zukunft.“

