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    Die Landschaften der Oststeiermark sind mitunter sehr kleinteilig und unterscheiden sich regional deutlich – zwischen Bergregionen über Wechsel und Joglland zum sanft hügeligen Safental. Die räumlichen Beziehungen und strukturellen Abhängigkeiten sind vielschichtig. Und auch die Städte der Region, von denen keine mehr als zehntausend Einwohner hat, sind verhältnismäßig klein und unterliegen doch, jede für sich, ganz unterschiedlichen historischen, wirtschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen.

    In einem solchen Umfeld entstehen vielfältige Potentiale, überschaubare Freiräume und wirtschaftliche Nischen für einzelne Akteure. Sie können hier ungewohnte Möglichkeitsräume besetzen und ganze Landschaften nachhaltig prägen.

    Heute steht die Oststeiermark (gemeinsam mit der Südoststeiermark) im Ruf, ein Ort zu sein mit besonders vielen, mitunter eigensinnigen und skurrilen, aber durchaus erfolgreichen Akteure.

    So schlossen sich bereits Ende der 1970er Jahre Landwirte, Handwerker und Techniker zusammen und gründeten die ersten Selbstbaugruppen für Solarthermie-Kollektoren. Aus Mangel an einem überzeugenden wirtschaftlichen Angebot entschieden sich die Akteure damals kurzerhand selbst Anlagen zur Nutzung von Solarenergie in Handarbeit herzustellen. Aus diesen Selbstbaugruppen ging später die Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien (AEE) hervor und mit ihr das heute international anerkannte Institut für Nachhaltige Technologien, AEE-INTEC in Gleisdorf.

    Gleichzeitig entstanden in mehreren Ortschaften Vereine, die sich der Erprobung neuer Wirtschaftsmodelle und Lebensformen verschrieben haben, wie etwa der Verein Erde in Markt Hartmannsdorf.

    Und dann gibt es erfolgreiche Unternehmer, die es insbesondere in der vergangenen Dekade geschafft haben, sich mit ökologisch und sozial nachhaltigen Unternehmensprofilen am Markt zu etablieren oder gar neue Märkte zu schaffen. Wie Josef Zotter. Der Koch und Konditor gründete 1999 die Zotter Schokoladen Manufaktur, die heute ausschließlich mit fair gehandelten Rohstoffen aus biologischer Landwirtschaft produziert. Das hat natürlich seinen Preis und den sind immer mehr Menschen weltweit bereit zu bezahlen. Mittlerweile erwirtschaftet er mehr als die Hälfte seines Umsatzes im weltweiten Ausland. Oder auch Robert Rogner mit dem Rogner Bad Blumau. Das Profil der Spa-Therme wurde gezielt zu einem ganzheitlichen, regionalen und ökologisch nachhaltigen Ansatz hin entwickelt. Heute sind sie Aushängeschild der Region und, soweit ersichtlich, wirtschaftlich überaus erfolgreich.

    Kaum einer dieser Akteure erschien plötzlich auf dem Feld und trat in Aktion. Es sind vielmehr die Personen vor Ort, die von Konzepten und Ideen bewegt werden und diese verwirklichen wollen. Manche haben den Status Quo sorgfältig, oft in Erfahrung ihres jahrelangen Arbeitsalltags, vermessen und Mängel und Potentiale entdeckt, die ihnen zunehmend auf der Seele brennen. Oder sie tragen eine vage Vorstellung mit sich, die hier in der Region auf die Landschaft, Netzwerke und Freiräume trifft, die eine Verwirklichung möglich scheinen lassen.

    Die Bevölkerung vor Ort, lokale Politiker und Wirtschaftsfunktionäre wünschen sich erfolgreiche Akteure, die der Region Zukunftsperspektiven eröffnen, Arbeitsplätze, Geld und idealer Weise auch ein positives Image bescheren. Dabei starten die meisten von ihnen selbst ohne genau zu wissen, wie ihr Ziel aussieht. Sie versuchen und probieren. Sie sind nicht selten Pioniere, die neugierig Grenzen überschreiten und mitunter naiv neue Wege gehen und schon deshalb nicht auf die Unterstützung setzen können, die denen zuteil wird, die ihnen folgen. Wer in den 1970er Jahren biologischen Landbau betrieb oder Solarkollektoren nutzte, konnte nicht auf zusätzliche Förderung, oder bessere Marktchancen hoffen. Oft genug stoßen solche Pioniere sogar auf Misstrauen oder offene Ablehnung, sobald sie tradierte Strukturen verlassen wollen. Dabei gehen sie teilweise enorme Risiken ein und stehen unter hohem Erfolgsdruck. Wenn ihr Handeln dann den wirtschaftlichen und politischen Erfolg in den Mittelpunkt rückt, ist das nur folgerichtig. Die Interessen von Nachbarn oder der Region werden nebensächlich. Und immer mehr verschwimmt das idealisierte Bild von eigenwilligen Akteuren, die sich für ihre Region stark machen, in alltäglichen Auseinandersetzungen und lokalen Konflikten.

    Viele Akteure handeln aus ganz unterschiedlichen Motiven. Da gibt es die Experimentierer, die Tüftler und Bastler. Scheinbar spielerisch und neugierig suchen sie nach neuen Wegen, jedoch immer aus Überzeugung und nicht selten unter hohem Einsatz.

    Da gibt es aber auch Unternehmer, allen voran Landwirte, die auf der Suche nach neuen Wegen in die Zukunft, ihr Geschäftsmodell neu erfinden und zu wichtigen Akteuren werden.

    In vielen Gemeinden, insbesondere in den Städten der Region, sitzen Entscheidungsträger, die die politische und gesellschaftliche Zugkraft von Themen rund um erneuerbare Energien erkannt haben. Der Einsatz erneuerbarer Energien und auch nachhaltige Lebensweise werden hier zum kommunalen Entwicklungswerkzeug und zur Projektionsfläche für eine neue städtische oder regionale Identität.

    Doch neben diesen öffentlichkeitswirksamen Akteuren existieren, teilweise schon seit vielen Jahrzehnten, Initiativen wie Genossenschaften oder gemeinnützige Gesellschaften, die aktiv alternative Handlungsmöglichkeiten aufzeigen können. Sie wirtschaften mit wesentlich langfristigeren Zeithorizonten und sind in erster Linie dem Nutzen der Gemeinschaft verpflichtet. Wie zum Beispiel die Maschinenringe. Auf Vereinsbasis sind regional mehr als die Hälfte der Landwirtschaftsbetriebe in ihnen zusammengeschlossen. Je nach Bedarf können ihnen vom Maschinenring Land- und Forstmaschinen, aber auch Personal oder Dienstleistungen zur Verfügung gestellt werden. Zunehmend entstehen im Rahmen der Maschinenringe aber auch selbstorganisierte Orte und Plattformen, um landwirtschaftliche Produkte oder Dienstleistungen innerhalb der Gemeinschaft oder nach außen hin anzubieten – mit wachsendem Erfolg.

    Für die Zukunft der Landschaft sind immer neue Akteure notwendig, die Grenzen überschreiten und gewohnten Prozessen eine neue Richtung geben. Im Folgenden soll anhand einzelner Akteure und ihrer Praktiken, die oststeirische Akteurslandschaft kurz vorgestellten werden.

    EXPERIMENTIEREN – ein besseres Leben leben

    UNTERNEHMEN – neue Geschäftsmodelle versuchen

    MANIFESTIEREN – mit Nachhaltigkeit Identität stiften

    GEMEINSAM HANDELN – Risiken teilen und langfristig handeln

    Kategorien Akteure, Prozess — Dezember 11, 2014 at 1:24 pm